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Thema: An Fukushima kommt niemand vorbei! - Wirklich nicht?
jjpoelli
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Für Stadt und Landkreis Mühldorf a. Inn

Beiträge: 47
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Deutschland
jjpoelli 
icon1  An Fukushima kommt niemand vorbei! - Wirklich nicht? #1 Datum: 19.06.2011, 14:09  

Was haben Fukushima, die Titanic, die US-Space-Shuttle Challenger und Columbia und der Absturz der polnischen Präsidentenmaschine 2010 gemeinsam?

Sehr viel! In allen diesen Fällen haben Personen Einfluß auf technische Vorgänge genommen, die dafür zwar die Authorität aber nicht die fachliche Kompetenz hatten.

In allen Fällen hat das Menschenleben gekostet.

Im Fall der Titanic wollte der Vertreter der Reederei J. Bruce Ismay unbedingt das "Blaue Band" gewinnen und setzte sich über die Bedenken von Kapitän Smith hinweg: Die Titanic sank und riß über 1.500 Menschen in den Tod.

Kaufleute hatten einen engen Zeitplan für die Space-Shuttle-Starts festgelegt, der zur Eile bei der Wiederaufarbeitung der wiederverwendbaren Raketen führte. Folge: Schlamperei beim Einbau der Gummidichtungen und Explosion der Challenger.

Wegen eines Risses in der Tragfläche der Columbia hatten Techniker in Emails starke Bedenken gegen einen Wiedereintritt des Space-Shuttle Columbia. Man "wagte" es trotzdem: Die Columbia verglühte beim Wiedereintritt.

Gegen die Bedenken des Piloten der polnischen Präsidentenmaschine, im Wald vor Katyn zu landen erteilte offensichtlich der Präsident persönlich die Anweisung zu landen. Ein großer Teil der polnischen Elite kam um.

Das Kernkraftwerk in Fukushima wurde in einem Gebiet gebaut, in dem seit Mitte des 18. Jahrhunderts durchschnittlich alle 30 Jahre Erdbeben mit mindestens Stärke 5,8 aufgetreten sind. Diese Erdbeben waren jedesmal verbunden mit einem Tsunami, von dem der niedrigste 10m und der höchste 85m hoch war. [1]

Zudem wurde das Kraftwerk mit veralteter amerikanischer Siedewassertechnik gebaut und nicht modernisiert. Es hatte weder ausreichenden Schutz gegen Tsunamis noch ausreichend Notkühlanlagen.

Das Personal war wohl nicht geschult, sonst hätten sie nicht "vergessen", die Tanks der Notstromdieselaggregate nachzutanken, die die Kühlpumpen am Laufen hätten halten sollen. [1]

Das hat jetzt auch die Internationale Atomenergie Behörde bemängelt.
http://www.n-tv.de/panorama/Japan-sc...icle3611606.html

Die Folgen sind bekannt und werden noch lange Zeit spürbar bleiben.


Warum müssen wir in Deutschland aber jetzt aus der Atomkraft aussteigen? Nur weil in Japan geschlampt wurde?

Die Presse in Deutschland ist vorwiegend grün orientiert, wie kürzlich ein Artikel von Wolfgang Stock in "Pro-Medienmagazin" darstellte.
www.pro-medienmagazin.de

Eine Umfrage hat aufgezeigt - gemäß Wolfgang Stock - daß 2010 über 45% der Journalisten angaben, sich den Grünen nahe zu sehen.
Dort ist ebenfalls aufgeschlüsselt, daß nur in Deutschland die Presse ein regelrechtes "Angstszenario" aufgebaut hat.

Demnach sind international etwa 17.000 Artikel in Google-News zum Thema Fukushima zu finden, 6.380 allein aus Deutschland. Das heißt, daß vorwiegend in von der grün orientierten deutschen Presse dieses Thema hoch gekocht wurde und damit ein Klima der Angst erzeugt wurde.

Der bekannte Spiegel-Journalist Jan Fleischhauer hat kürzlich beschrieben, was gerade ablief: "Authentisch ist, wenn in einer Bürgerversammlung fünf hochkarätige Wissenschaftler dargelegt haben, warum der Neubau eines Golfplatzes kein bedrohliches Risiko darstellt, und dann einer aufsteht und sagt: 'Aber ich habe Angst.' Dann können die fünf Experten einpacken und die Journalisten wissen, wem sie ihr Mikrofon unter die Nase halten." http://www.spiegel.de/politik/deutsc...8,768189,00.html

Kurz nach dem Unfall waren die Medien regelrecht enttäuscht und konnten es kaum fassen, daß die Meßstelle auf dem Feldberg noch immer keine erhöhten Strahlungswerte messen konnte. Natürlich hatten die Bürger schon mal Angst und zogen es vor, drinnen zu bleiben.

Kürzlich fragte der Bayerische Rundfunk Fischhändler auf dem Münchner Viktualienmarkt ob ihre Fische radioaktiv belastet sind. Nachdem diese verneinten und bestätigten, die Fische kämen ausschließlich aus dem Atlantik oder der Nord-/Ostsee endete der Bericht mit der Frage: "Aber was ist mit den Thunfischen in den Dosen, die wir im Supermarkt kaufenFragezeichen"

Die Grünen befeuerten diese Angst noch mit ihrer Plakataktion "Restrisiko", in der sie erst Tschernobyl, dann Fukushima und dann... es so hinstellten, als wäre nun endlich ein euorpäisches oder deutsches KKW dran hoch zu gehen!

Dieses Klima der Angst hat die deutsche Öffentlichkeit so geprägt, daß sie für sachliche Argument nicht mehr zugänglich ist. Die "öffentliche Meinung" hat dazu geführt, daß sich Politiker unterworfen haben und Deutschland nun aus der Kernkraft aussteigen muß.

Wie sagte Frankreichs Präsident Sarkozy kürzlich? "Ich bin schließlich nicht gewählt worden, um eine Industrie zu zerstören, die Arbeitsplätze schafft und die Unabhängigkeit der Energieversorgung sichert." (WELT am 8. Juni 2011)
Sarkozy freute sich über den "Wettbewerbsvorteil", der den französischen Energieversorgern zufällt, wenn diese nach dem Ende der Kernenergie Deutschland mit Strom versorgen dürfen (müssen). Und in Temelin plant man schon die nächsten Blöcke für das dortige KKW.

Deutschland ist eine Industrienation, die nur über wenig eigene Rohstoffe verfügt. Die Abhängigkeit von Öl- und Gasimporten ist bekannt und hat schon in der Vergangenheit zu viel Aufregung gesorgt, als Rußland die Gasversorgung sperrte, weil die Ukraine die Rechnungen nicht bezahlen konnte. Plötzlich war die Abhängigkeit offensichtlich und für jeden spürbar.

Wer einmal eine Tagesbelastungskurve (der Verlauf des Energieverbrauchs im Lauf eines Tages) ansieht, wird schnell erkennen, daß der Anteil Grundlast im Verhältnis zum Anteil Spitzenlast sehr ungleich ist.
http://www.ihk-regensburg.de/ihk-r/a...95;%20Binder.pdf Seite 4
Die Spitzenlast bilden alle Anlagen und Geräte, die wir tagsüber einschalten und Nachts abschalten. Die Grundlast brauchen alle Anlagen, die rund um die Uhr in Betrieb sind.

Diese Grundlast haben bisher vorwiegend Kernkraftwerke und Kohlekraftwerke, zu einem verschwindenden Teil von 12% Laufwasserkraftwerke erzeugt. Grundlast kann nur von Anlagen erzeugt werden, die zuverlässig rund um die Uhr Leistung bringen. Berechenbar und planbar.

Was hat das alles nun mit der Titanic, der Challenger, der Columbia oder der polnischen Präsidentenmaschine zu tun?

Sehr viel! Die Diskussion um die Energieversorgung wurde in den vergangenen Monaten sehr emotional größtenteils auf politischer und gesellschaftlicher Ebene geführt. Fachleute kamen kaum zu Wort.

Würde man Fachleute entscheiden lassen, wäre vermutlich sehr viel mehr Geld aufzuwenden, aber die vorhandenen Anlagen würden in kompetenten Händen liegen und sicher laufen.

Würde man Fachleute entscheiden lassen, könnte sogar eine Energiewende realisert werden, die den Grundlastbedarf Deutschlands sicherstellt, ohne die Versorgungssicherheit zu gefährden.

So lange aber gesellschaftliche und politische Gruppierungen ideologisch motiviert und angstbasiert Stimmung machen werden wir nicht nur keinen Schritt weiterkommen sondern die Abhängigkeit von ausländischen Energieversorgern noch stärken. Dann sind wir nicht nur von Öl- und Gaslieferungen abhängig sondern auch noch von Stromlieferungen.

Und das kann das Ziel nicht sein! Und Angst war schon immer der denkbar schlechteste Ratgeber.

---
[1]: Unterschiede im gestaffelten Sicherheitskonzept: Vergleich Fukushima Daiichi mit deutschen Anlagen
Ludger Mohrbach, Essen
http://www.kernenergie.de/kernenergi...95;fukushima.pdf
Video ist nicht gleich Video. Aus manchen Aufnahmen kann man nur Videoclips machen, aus anderen richtige Fernsehbeiträge.


(Bisher wurde dieser Beitrag 9 mal editiert, als letztes von jjpoelli am 20.06.2011 @ 07:45)
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jjpoelli
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jjpoelli 
icon1  Nachtrag: Der große Schwindel mit der Solarenergie #2 Datum: 27.06.2011, 16:06  

Am 26.06.11 erschien in "Die Welt" ein sehr ausführlicher Artikel, der nachweist, daß die Solarenergie zwar interessant und gut nutzbar, jedoch für die Versorgung eines Landes nur zum Teil taugt - Als Grundlastversorgung schon gar nicht.

http://www.welt.de/wirtschaft/articl...olarenergie.html

Video ist nicht gleich Video. Aus manchen Aufnahmen kann man nur Videoclips machen, aus anderen richtige Fernsehbeiträge.
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jjpoelli
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jjpoelli 
icon1  Ranga Yogeshwar: "Deutschen sorgten sich mehr um Reaktor als Japaner" #3 Datum: 27.06.2011, 17:58  

Der bekannte Wissenschaftsjournalist Ranga Yogeshwar kritisierte auf einer Veranstaltung der Konrad-Adenauer-Stiftung in Berlin die Deutsche Presse, die mit einer Art "Fast and Dirty"-Journalismus mit schlecht recherchierten Nachrichten und Beiträgen ein gänzlich falsches Bild über die angeblich schlimmste Katastrophe gezeichnet haben.

Er kommt zum Schluß:

"Deutschen sorgten sich mehr um Reaktor als Japaner"

Hier der ganze Artikel aus "Pro Medienmagazin":

http://www.pro-medienmagazin.de/jour...mp;news[id]=4160
Video ist nicht gleich Video. Aus manchen Aufnahmen kann man nur Videoclips machen, aus anderen richtige Fernsehbeiträge.


(Bisher wurde dieser Beitrag 3 mal editiert, als letztes von jjpoelli am 27.06.2011 @ 18:00)
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